Transformation hin zur generalistischen KI-Automatisierung in KMUs
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Prof. Raphael Volz, Richard Wacker, Marian Pufahl, Prof. Maxim Dolgov (v.l.n.r.) ©Heike Marschner-Schulze, Hochschule Pforzheim
Die KI-Revolution ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität im Mittelstand. Doch zwischen experimenteller Euphorie und nachhaltiger Wertschöpfung liegt ein anspruchsvoller Transformationsprozess. Genau hier setzte die Veranstaltung „Industrie trifft Hochschule“ an, die am 23. April 2026 im Zentrum für Präzisionstechnik in Pforzheim stattfand. Ziel war es, Unternehmen im Wirtschaftsraum Nordschwarzwald konkrete Orientierung auf dem Weg zur erfolgreichen KI-Integration zu bieten.
Die Veranstaltung beleuchtete die Transformation hin zur KI-Automatisierung aus vier komplementären Blickwinkeln: wissenschaftlich fundiert, praxisnah und kritisch reflektiert.
Den Auftakt machte Maxim Dolgov mit seinem Vortrag zum „Bottom-up-Weg zur generalistischen Robotik“. Gemeinsam mit seinem Kollegen Raphael Volz erforscht er am Labor für „Intelligent Mobility and Autonomous Systems“, wie flexible, universell einsetzbare Robotersysteme entstehen können. Im Zentrum stand die kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob generalistische Robotik bereits alltagstauglich ist. Während spezialisierte Systeme heute oft schneller produktive Ergebnisse liefern, verspricht die generalistische Herangehensweise langfristig deutlich größere Flexibilität. Dolgov plädierte für einen evolutionären Ansatz: Anstatt auf den großen Durchbruch zu warten, sollten Unternehmen schrittweise Kompetenzen aufbauen.
Einen praxisnahen Einblick bot anschließend Richard Wacker von der CAS Software AG. Sein Vortrag machte deutlich, dass viele KMUs bereits mit KI experimentieren – jedoch oft ohne klare Strategie und Metriken. Die Folge: Projekte verlaufen im Sande, Ressourcen werden gebunden und der erwartete Mehrwert bleibt aus. Wacker bezeichnete dies als die „letzte Meile“ der KI-Transformation, die sich häufig zu einem Marathon entwickelt. Sein Appell lautet, KI-Initiativen zielgerichtet, methodisch fundiert und entlang klar definierter Erfolgskriterien umzusetzen. Als Partner im EDIH AICS unterstützt CAS Unternehmen genau bei dieser Herausforderung.
Marian Pufahl von Campus Founders Heilbronn ergänzte die Perspektive mit einem Blick auf die Innovationslandschaft. In seinem Vortrag zeigte er, wie stark dynamische Start-up-Ökosysteme zur KI-Transformation beitragen können. Insbesondere für etablierte Industrieunternehmen eröffnen sich hier neue Chancen: Kooperationen mit Start-ups ermöglichen schnellere Innovationszyklen, Zugang zu neuen Technologien und frische Denkansätze. Das Beispiel Heilbronn verdeutlichte, wie regionale Netzwerke gezielt als Innovationsmotor genutzt werden können. Gerade für die Fakultät für Technik der Hochschule Pforzheim ergeben sich daraus wertvolle Anknüpfungspunkte. Mit ihrer praxisorientierten Lehre, der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen und dem Ausbau von KI-bezogenen Studien- und Forschungsangeboten schafft sie ideale Voraussetzungen, um Studierende, Wissenschaft und Wirtschaft miteinander zu vernetzen. Solche Kooperationen stärken den Wissens- und Technologietransfer und fördern die Entwicklung innovativer Lösungen für die industrielle Transformation.
Den Abschluss bildete Raphael Volz mit einem praxisnahen Einblick in die Welt der „Agentic AI“. Unter dem Titel „Mein Agent und ich“ zeigte er, wie autonome KI-Agenten zunehmend Aufgaben übernehmen und die Zusammenarbeit verändern. Dabei wurde auch eine zentrale Leitlinie formuliert: „Vertraue erst nach dem Review.” Trotz aller Fortschritte bleibt menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar, insbesondere bei kritischen Entscheidungen. Agenten können unterstützen, beschleunigen und strukturieren, aber sie können die Verantwortung des Menschen nicht ersetzen.
Die Veranstaltung machte eines deutlich: Der Weg zur KI-gestützten Wertschöpfung ist kein Selbstläufer. Zwischen technologischen Möglichkeiten und wirtschaftlichem Nutzen ist strategische Klarheit notwendig.
Für KMUs bedeutet das:
– nicht jedem Hype zu folgen, sondern gezielt zu priorisieren
• Kompetenzen systematisch aufbauen
• Kooperationen nutzen.
Vor allem sollten sie KI als langfristige Transformation verstehen.
Oder anders gesagt: Der KI-Rausch kann schnell verfliegen – nachhaltiger Erfolg entsteht durch Struktur, Strategie und kritisches Denken.
Die Veranstaltungsreihe „Industrie trifft Hochschule” ist Teil einer Initiative zur Stärkung der Innovationskraft in der Region. Gemeinsam mit der Cluster-Initiative Hochform verfolgt die Hochschule das Ziel, den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aktiv zu fördern.
Neben Vorträgen stehen insbesondere Dialogformate im Fokus: Workshops, Laborführungen und persönliche Gespräche bieten Fach- und Führungskräften die Möglichkeit, konkrete Impulse für ihre Unternehmen mitzunehmen. Dabei werden Themen wie Industrie 4.0, neue Produktionsverfahren und KI-Anwendungen kontinuierlich weiterentwickelt.